Schlagfertig kommunizieren

Schlagfertig kommunizieren

So behaupten Sie sich in prekären Gesprächssituationen

Kennen Sie das? Sie sitzen in einer Besprechung, das Thema ist genau Ihr Fachgebiet, doch Ihr Chef fährt Ihnen mit oberflächlichen Behauptungen über den Mund. Ehe Sie antworten können, ist die Sache entschieden. Oder Ihr Unternehmen befindet sich in einem Veränderungsprozess, Sie müssen bei Ihren Mitarbeitern unpopuläre Maßnahmen durchsetzen und stoßen auf Gegenwehr. Im Arbeitsleben entstehen immer wieder Situationen, in denen man sich durchsetzen muss. Und es gibt Techniken, die dabei helfen.

Schlagfertigkeit

Mit körperlicher Präsenz überzeugen

Was gehört dazu, sich auch in schwierigen Augenblicken zu behaupten? Grundvoraussetzung ist eine selbstbewusste Ausstrahlung. Ihre Körpersprache zeigt ihrem Gegenüber sehr deutlich, ob Sie es ernst meinen oder nicht. Überzeugen Sie mit persönlicher Präsenz: Halten Sie Blickkontakt, auch bei ernsten Blicken, stellen Sie Augenhöhe her, sitzen oder stehen Sie aufrecht, hören Sie aktiv zu und weichen Sie nicht zurück.

Mit kommunikativer Präsenz überzeugen

Klar und einfach kommunizieren, lautet die Formel. Mit Verkleinerungen, Relativierungen, Weichspülern, Negativ-Formulierungen oder unbestimmten Aussagen laden Sie andere dazu ein, sich durchzusetzen. Sagen Sie nicht: „Ich würde es nett finden, wenn Sie alle zuhören.“ Sagen Sie: „Ich bitte Sie alle, genau zuzuhören, das sind wichtige Informationen für unser Projekt.“

Trainieren Sie eine wirkungsvolle Sprache! Kurze und prägnante Aussagesätze, Aufforderungen und Begründungen machen Ihren Standpunkt deutlich und lassen wenig Interpretationsspielraum. Bereiten Sie sich auf wichtige Gespräche und Besprechungen gut vor und formulieren Sie im Vorfeld für sich ein Ziel. Je nach Situation lassen sich unterschiedliche Argumentationsketten anwenden:

Behauptung-Vorteil-Nutzen:

„Ich möchte erst im nächsten Jahr wieder zusätzliche Aufgaben übernehmen und mich im Moment um das Kerngeschäft kümmern. So kommen wir in unserem priorisierten Projekt auch wirklich voran und können den Zeitplan einhalten.“

Behauptung-Beispiel-Verallgemeinerung:

„Ich schlage vor, einmal wöchentlich eine Projektbesprechung abzuhalten. In Projekt X ist es damit gelungen, die Informationen und den sinnvollen Austausch effektiv zu gestalten. Bei komplexen Projekten mit mehr als vier Mitarbeitern halte ich das generell für sinnvoll.“

Pro-und-Contra-Formel

Bedenken Sie im Vorfeld die möglichen Argumente Ihres Gegenübers und lassen Sie diese gezielt in die eigene Argumentation einfließen. Zeigen Sie Verständnis für den Standpunkt des anderen und  unterstreichen Sie, weshalb man dennoch Ihren Weg gehen sollte/muss. Formulieren Sie zum Abschluss einen Appell oder eine Handlungsaufforderung.

Auf die Sachebene umlenken

„Sie haben doch gar keine Ahnung“ oder „Sie können da doch gar nicht mitreden“. Persönliche Angriffe gibt es im Arbeitsalltag immer wieder und sollten Sie nicht verunsichern. Greifen Sie den sachlichen Aspekt des Angriffs auf und überhören Sie den Rest: „Eine sachliche Nachfrage: Sie sind also mit meinem Vorschlag nicht einverstanden?“ Wenn Sie entspannt und ruhig bleiben, läuft der emotionale Angriff ins Leere.

Auf die Meta-Ebene wechseln

Eine Option für Mutige: Statt inhaltlich zu reagieren, versetzen Sie sich bei manipulierenden oder angreifenden Situationen in die Vogelperspektive. Sprechen Sie aus, was in diesem Gespräch von oben betrachtet aus Ihrer Sicht passiert. Sagt Ihr Gegenüber zum Beispiel: „Wenn Sie das Projekt nicht zusätzlich übernehmen, sehe ich schwarz für Ihre Beförderung“, wechseln Sie gekonnt auf die Meta-Ebene: „Das klingt gerade so, als wäre meine Beförderung einzig von diesem Projekt abhängig. Sehen Sie das wirklich so?“ Entgegnungen auf der Meta-Ebene beginnen häufig mit Satzanfängen wie „Auf mich wirkt das…“ oder „Mir kommt es gerade so vor…“.

Angriffe schlagfertig parieren

Bei persönlichen Angriffen wirkt es entspannt und locker, schlagfertig zu reagieren, ohne den anderen anzugreifen. Gegenüber: „Sie sind wahrscheinlich eine dieser Quotenfrauen.“ Atmen Sie durch und nutzen Sie die kurze Bedenkzeit für eine schlagfertige Antwort: „Stimmt, sonst wäre ich mit Hauptschulabschluss, null Berufserfahrung und sechs Kindern nie in diese Position gekommen.“

Schlagfertigkeit lässt sich übrigens trainieren. Nutzen Sie hierfür die einfache Technik des Übertreibens. Dabei kann entweder die Unterstellung des anderen oder das Gegenteil übertrieben werden. Aussage: „Nehmen Sie es doch mal ein bisschen locker!“ Antwort: „Ich bin fluffig wie ein Wattebausch.“ Oder: „Mein zweiter Vorname ist Ernst und das ist auch mein Programm.“ Üben Sie Schlagfertigkeit ebenfalls, indem Sie anderen zuhören, sich Übertreibungen ausdenken, das Gehirn im Assoziieren trainieren und sich Floskeln zurechtlegen.

Sich selbst überprüfen

Wichtig ist, sich in prekären Gesprächssituationen immer wieder selbst zu überprüfen. „Seien Sie doch nicht gleich beleidigt.“ Sind Sie das? Betrachten Sie die Situation neutral aus der Vogelperspektive. Sie werden merken, dass Sie die Fäden in der Hand halten und dass es Ihnen leicht fällt, Souveränität zu bewahren.

Fazit

Wer schlagfertig und souverän kommuniziert, wird stärker wahrgenommen, beachtet und anerkannt. Resultat ist eine höhere Überzeugungs- und Durchsetzungsfähigkeit. Kommunikationskompetenzen lassen sich trainieren. Sind sie gestärkt, fühlt man sich auf Augenhöhe mit seinem Gesprächspartner, ist selbstsicherer und hat mehr Freude an kommunikativen Situationen.

Zur Autorin

Susanne Delfs ist Expertin für Kommunikations-, Konflikt- und Besprechungsmanagement.

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